Erneuerbare Energien sind heute in aller Munde. Dabei ist der Begriff aus physikalischer Sicht eigentlich irreführend: Energie wird nicht erneuert, sondern aus natürlichen Ressourcen umgewandelt. Ein Windrad macht aus der Bewegung des Windes Strom, eine Solaranlage wandelt Sonnenlicht in elektrische Energie um.
Dass wir diese Kräfte nutzen, ist keineswegs neu. Schon vor Jahrtausenden segelten Menschen mit der Kraft des Windes über den Nil, pumpten Wasser mit Windmühlen und mahlten Getreide mit Wasserrädern. Auch die Sonne wurde gezielt genutzt, etwa um römische Bäder zu erwärmen. Mit der Industriellen Revolution änderte sich das grundlegend. Kohle und später Öl und Gas ermöglichten eine bis dahin ungeahnte wirtschaftliche Entwicklung. Gleichzeitig entstand eine starke Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen. Spätestens die Ölkrise von 1973 machte deutlich, wie verletzlich diese Abhängigkeit ist und welche hohen Kosten daraus entstehen können. Hinzu kamen die Erkenntnis über die begrenzten Ressourcen unseres Planeten und das wachsende Bewusstsein für den menschengemachten Klimawandel.
Fakt ist: Menschen auf dem Land haben in Deutschland die ersten Windturbinen in die praktische Nutzung gebracht und Solarexperimente realisiert. Open Energy möchte diesen Geist feiern und zurück zur Energieversorgung von unten.
Dass Solar- und Windenergie in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts wieder stärker in den Fokus rückten, ist auch Menschen zu verdanken, die selbst aktiv wurden. Sie entwickelten eigene Anlagen und experimentierten mit neuer Technik.
Beispiele dafür sind der Schotte James Blyth, der 1887 als einer der Ersten sein Haus mit Windstrom versorgte oder der Däne Henrik Stiesdal. In den 1970er Jahren baute er auf dem Hof seiner Eltern eigene Windanlagen – zunächst mit einem ganz praktischen Ziel: Stromkosten zu sparen und unabhängiger zu werden. In Deutschland begannen vor allem in den 80er Jahren Bauern erste Anlagen zu errichten.
Heute begegnen auf dem Land viele Menschen dem Umbau der Energieversorgung mit Skepsis. Große Windräder entstehen in der Nachbarschaft, ohne die Menschen in der Umgebung am Gewinn oder an Fragen der Gestaltung zu beteiligen. Gleichzeitig sind viele private Flächen noch ungenutzt, obwohl sich mit einer kleinen Solaranlage viel Geld sparen lässt.
Wer sich beteiligen und selbst eine Anlage aufbauen möchte, landet heute meist bei geschlossenen, industriell gefertigten Systemen, die sich kaum reparieren oder anpassen lassen. Auch wegen des Datenschutzes gibt es immer wieder Bedenken, sich ein Balkonkraftwerk zu installieren, das dann sensible Haushaltsdaten an fremde Server sendet. Von der Bastelkultur der Anfangstage und damit auch dem Gefühl, selbst Hand anlegen zu können, scheint wenig übrig geblieben. Die Energiewende wirkt auf manche als von außen aufgezwungen.
Dabei lebt die alte Tüftler-Tradition. Das Internet is voll von Geschichten, wie Menschen selbst Anlagen aufbauen und Probleme lösen. Gleichzeitig gibt es zahlreiche freizugängliche Designs, die für den Eigenbau gemacht sind, reparierbar und datenschutzfreundlich. Projekte wie Windkit, LibreSolar oder Homeassistant liefern frei zugängliche Baupläne und Software für Kleinwindanlagen, Solartechnik oder Datenmanagement. Ehrenamtliche haben also unglaublich viele Informationen zusammengetragen, wie Strom selbst erzeugt werden kann.
Open Energy möchte dieses Wissen und die Erfahrungen zusammentragen und zugänglicher machen, damit Laien leichter Aktiv werden und ihre eigene Anlage aufbauen können. Denn eine selbstgebaute Anlage ist oft langfristig günstiger und vor allem leichter zu reparieren.
Die Lösung: eine offene Bürgerenergieanlage, die leicht nachbaubar und reparierbar ist und im Besitz derer, die sie einsetzen.
Open Energy bringt bestehende offene Energietechnik, sogenannte Open Source Hardware, zusammen, unterstützt bei Entwicklungsbedarfen und hilft bei der Dokumentation, damit die Anlagen leichter nachgenutzt werden können. Außerdem trägt das Projekt Erfahrungen zusammen und vermittelt sie im Rahmen von Workshops in Brandenburg. Ziel ist es, alle Komponenten für die Solar- und Windstromerzeugung als offene Designs zu bündeln und miteinander kompatibel zu machen, um eine Anlage zu erhalten, die vollständig in der Hand der Menschen ist, die sie nutzen.
Wer steckt dahinter?
Open Energy ist ein Projekt des Prototype Fund Hardware, gefördert durch die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt sowie die Postcode Lotterie. In Kooperation mit dem PODEST-Projekt unterstützt es die Erforschung der Potenziale von Open Source Hardware für die Energiewende und arbeitet so eng mit der TU-Berlin oder der BTU Cottbus-Senftenberg zusammen.
Mach mit!
Open Energy lebt von den Menschen, die mitbauen, mitdenken und ihr Wissen teilen. Du entwickelst offene Energietechnik oder hast andere Ideen, wie wir die geschilderten Ziele erreichen können? Dann melde dich bei uns!