Dr. Georg Lösel vom Potsdamer Solarverein bei der Balkonsolarberatung – mit Sonne im Gepäck und Tipps für den eigenen Balkon.

Schritt 1: Prüfen, in welche Himmelsrichtung mein Balkon ausgerichtet ist, Erlaubnis meiner Vermieter einholen, Befestigung meines Balkons beachten und das Balkonkraftwerk kaufen

Stephanie: Hi Georg, du bist promovierter Informatiker und Geowissenschaftler, kommst also aus einem ganz anderen Bereich. Wie bist du zum Balkonsolar gekommen und was fasziniert dich daran?

Georg: Als der Potsdamer Solarverein vor ungefähr vier Jahren ein bisschen in eine Situation kam, in der es nicht mehr richtig weiterging, bin ich einfach eingestiegen. Ich habe gedacht, dass Solar ein so wichtiges Thema in der heutigen Zeit ist, dass man da dranbleiben muss. Es ist diese Einfachheit, diese Simplizität, die mich wirklich daran interessiert. Und vor allem die Möglichkeit, dass die Leute direkt selbst aktiv werden können.

Stephanie: Was kann eine kleine Solaranlage am Balkon, was eine große Solaranlage auf dem Dach nicht kann?

Georg: Sie ist sofort einsatzbereit. Ich gehe in den Laden und bin praktisch in der Lage, mir das Ding direkt zu kaufen. Dann gehe ich an den Balkon, schraube sie mir an, stecke den Stecker in die Steckdose und fertig ist die Laube.

Es ist praktisch fast wie ein Elektrogerät, wie eine Waschmaschine oder ein Elektrogrill. Ein Gerät, das einen Stecker hat.

Es ist diese Einfachheit, diese Simplizität, die mich wirklich daran interessiert. Und vor allem die Möglichkeit, dass die Leute direkt selbst aktiv werden können.“

Stephanie: Du sagst fast wie ein Elektrogerät – auf welche Hürden stoßen die Menschen dennoch im Vergleich zum Kauf einer Waschmaschine?

Georg: Zunächst ist natürlich wichtig, dass die Ausrichtung meines Balkons und die Sonneneinstrahlung passend ist. Auch die Größenordnung oder die Frage nach einem Speicher kommt immer wieder auf.

Die Vermietersituation ist natürlich auch noch ein Punkt. Vermieter dürfen in Deutschland Steckersolaranlagen nicht pauschal verbieten. Aber gerade in Potsdam kann beispielsweise Denkmalschutz ein triftiger Grund für ein Verbot sein.

Ansonsten braucht es oft Hilfe beim Aufbau. Da braucht man jemanden, der das vielleicht schon einmal gemacht hat oder der sich zumindest traut, sich mit der Technik auseinanderzusetzen.

Die Herausforderung liegt also häufig gar nicht in einer einzelnen großen Hürde. Es sind die vielen kleinen Fragen: Darf ich das an meinem Balkon anbringen? Welches Modul brauche ich? Wie befestige ich das Ganze? Und wer hilft mir, wenn ich nicht weiter weiß?

Stephanie: Welche Kosten kommen beim Kauf auf mich zu und ab wann lohnt es sich finanziell?

Georg: Ganz grob gerechnet kann man sagen: Mit einem guten Set, das man für etwa 300 Euro kaufen kann, kann man innerhalb eines Jahres schon rund 100 Euro sparen. Nach ungefähr drei Jahren hat man die Kosten also wieder drin, aber das hängt auch stark von den jeweiligen Bedingungen ab.

Für eine individuelle Einschätzung kann man den Stecker-Solar-Simulator der HTW Berlin benutzen.

“Die Herausforderung liegt also häufig gar nicht in einer einzelnen großen Hürde. Es sind die vielen kleinen Fragen: Wer hilft mir, wenn ich nicht weiter weiß?“

Schritt 2: Vom gebündelten Erfahrungswissen lokaler Akteure – wie einem Solarverein vor Ort – profitieren.

Stephanie: Was würdest du einer Person raten, die schon seit Monaten über eine Anlage nachdenkt, aber nicht weiß, wie sie anfangen soll – und wo kann ein Verein dabei helfen?

Georg: Ich würde versuchen, einfach die Dinge herauszufinden, an denen es klemmt, um sie dann an die Hand zu nehmen. Einen Kauf zu machen, ist nicht schwierig. Auch die Sache mit dem Vermieter kann man klären – und man findet Menschen, die einem dabei helfen.

Genau diese Kleinteiligkeit prägt auch die Arbeit des Potsdamer Solarvereins. Kein Balkon ist gleich und keine Ausgangssituation identisch. Was wir jetzt auf dieser Basis machen, ist, die ganzen Dinge zu sammeln, die an uns herangetragen wurden. So versuchen wir, Strukturen und Gemeinsamkeiten zu erkennen – und Erfahrungen aus einzelnen Projekten für andere nutzbar zu machen.

So wird der Verein gewissermaßen zum Übersetzer zwischen Technik, Alltag und den individuellen Fragen der Menschen

Ein klassisches Balkonkraftwerk besteht normalerweise aus einem Solarpanel und einem Wechselrichter, der in die Steckdose gesteckt wird.

Schritt 3: Zusammenhänge der Stromerzeugung verstehen, Selbstwirksamkeit erleben und Wissen weitergeben

Stephanie: Du hast bereits beschrieben, dass dich die Einfachheit des Balkonsolars fasziniert – warum lohnt es sich darüber hinaus, sich damit zu beschäftigen?

Georg: Was mich am Thema Balkonsolar auch noch fasziniert, ist diese einfache Möglichkeit, Menschen ins Denken zu bringen. Ich glaube, das ist im Endeffekt der wichtigste Effekt bei der gesamten Thematik.

Die Leute begreifen, dass sie selbst Energie erzeugen können und praktisch nicht mehr abhängig von irgendwelchen großen Energiekonzernen sind. Sie können selbst eingreifen und bekommen dadurch auch ein viel besseres Verständnis für die Notwendigkeit und die Möglichkeiten der Energiewende.

Dieses Self-Empowerment und das größere Verständnis dafür, wie die ganzen Dinge zusammenhängen, finde ich wirklich wichtig.

Die Vermieter sollten nicht denken: „Huch, da kommt schon wieder jemand vorbei, und was will der denn Besonderes?“, sondern es sollte für die Vermieter eigentlich ganz normal sein.“

Stephanie: Was müsste sich verändern, damit noch viel mehr Menschen Balkonsolar nutzen?

Georg: Ich denke, dass die Wege auf Vermieterseite noch einfacher sein müssen. Die Vermieter sollten nicht denken: „Huch, da kommt schon wieder jemand vorbei, und was will der denn Besonderes?“, sondern es sollte für die Vermieter eigentlich ganz normal sein.

Worüber ich mich wirklich freuen würde, wäre, wenn die Hersteller von Balkongeländern das irgendwann direkt bei der Herstellung mitberücksichtigen würden. Und dass der Bauherr bei der Bauplanung, wenn er sich überlegt, welches Balkongeländer er kauft, dieses praktisch schon entsprechend vorbereitet bekommt.

Dann wäre die Solaranlage nicht mehr etwas, das nachträglich an einen Balkon angepasst werden muss. Sie wäre von Anfang an Teil des Balkons.

Das Libre Solar ist ein Open-Source-Balkonkraftwerk, das heißt, es hat einen frei zugänglichen Laderegler sowie ein offenes Akku-Management-System.

Checkliste für die Installation eines Balkonkraftwerks

  • Himmelsrichtung prüfen
    Wie ist mein Balkon ausgerichtet und wie viel direkte Sonneneinstrahlung bekommt er?
  • Vermieter / Hausverwaltung abklären
    Bei einer Mietwohnung vorher die Erlaubnis klären. Vermieter dürfen Balkonkraftwerke in Deutschland nicht pauschal verbieten.
  • Befestigung anschauen
    Passt die Traglast? Wie lassen sich die Module sicher an den Balkonstäben befestigen?
  • Balkonkraftwerk kaufen
    Üblich sind 1–2 Solarmodule und ein Wechselrichter, der Gleichstrom in Wechselstrom umwandelt.
  • Leistung beachten
    Aktuell sind bis zu 800 Watt Wechselrichterleistung und bis zu 2.000 Watt Modulleistung möglich.
  • Speicher überlegen
    Ein Speicher ist nicht zwingend notwendig. Balkon.Solar schätzt, dass sich ein Speicher aktuell nicht lohnt.
  • Anschließen und installieren
    Das Balkonkraftwerk sicher befestigen und nach Herstellerangaben anschließen. Bei Unsicherheit kann beispielsweise ein lokaler Solarverein unterstützen.
  • Im Marktstammdatenregister anmelden
    Das Balkonkraftwerk muss kostenlos im Marktstammdatenregister registriert werden.
  • Datenschutz und App beachten
    Viele Balkonkraftwerke lassen sich per App überwachen. Welche Daten die Apps sammeln und welche datenschutzfreundlichen Möglichkeiten es gibt, zeigen wir in einem unserer nächsten Blogartikel.