Schritt 1: Es gibt viele Kleinwindräder. Langfristig die bessere Entscheidung ist es, ein Modell wie das Windkit einzusetzen. Denn damit erhält man alle Baupläne, um das Windrad langfristig zu reparieren.
Stephanie: Hallo Max. Wir stehen auf dem Walnusshof in Steinhöfel vor einem Windrad, das nicht einfach nur gekauft wurde, sondern hier selbst aufgebaut und erprobt wird. Viele Menschen kennen Windräder vor allem aus großen Windparks. Wie kam es dazu, dass hier ein eigenes Kleinwindrad steht?
Max: Ich hatte mit dem Prototype Fund Hardware eine Ausschreibung auf den Weg gebracht, die Produkte fördern sollte, die Menschen selbst in die Hand nehmen können. Sie sollten reparierbar und nachbaubar sein, um den aktuellen Anforderungen einer Kreislaufgesellschaft gerecht zu werden. Es ging also darum, nachbaubare Technik zu fördern, die einen infrastrukturellen Zweck erfüllt.
Das Windkit, so heißt das Kleinwindrad, war eines der geförderten Projekte, das jetzt hier als Prototyp erprobt wird.
„Wer das Windrad kauft, kauft nicht nur einen Gegenstand, sondern auch sämtliche Informationen dazu, wie man ihn auseinandernehmen, reparieren und im Zweifel sogar ein zweites Mal bauen kann.“
Stephanie: Das Windkit ist auch ein Open-Source-Windrad. Viele Menschen kennen den Begriff vielleicht noch nicht. Was bedeutet Open Source überhaupt und was ist der Vorteil davon?
Max: Das Problem ist, dass ein Windrad regelmäßig gewartet werden muss. Es kann kaputtgehen und das passiert auch. Wenn dann das Startup, das das Kleinwindrad auf den Markt gebracht hat, pleite geht und keine Ersatzteile oder Reparaturservices mehr anbietet, sind diese Windräder am Ende nur noch Schrott.
Open Source versucht genau dieses Problem zu lösen. Wer das Windrad kauft, kauft nicht nur einen Gegenstand, sondern auch sämtliche Informationen dazu, wie man ihn auseinandernehmen, reparieren und im Zweifel sogar ein zweites Mal bauen kann.
Open Source Hardware bedeutet, dass all diese Informationen bereitgestellt und so lizenziert werden, dass Menschen sie rechtlich nutzen, verändern und weiterentwickeln dürfen.
Ganz praktisch bedeutet das, dass ich zu dem Windrad einen Bauplan bekomme, der ganz genau beschreibt, wie alles zusammengesetzt ist. Die Entwickler solcher Projekte laden andere Menschen ein, mitzugestalten und den Gegenstand auf allen Ebenen mitzubesitzen.
Schritt 2: Bevor ein Windrad aufgebaut wird: prüfen, ob es Windpotenzial gibt! Kleinwindräder haben weniger Leistung, als viele denken. Sie sind eine gute Ergänzung zu einer Solaranlage.
Stephanie: Ein Windrad auf allen Ebenen mitzubesitzen, also auch das geistige Eigentum, das klingt gut. Wie viel handwerkliches oder technisches Wissen brauche ich denn, um mir selbst eins aufzubauen?
Max: Es erfordert schon handwerkliches Geschick und Erfahrung, um alle Teile selbst herzustellen. Bekomme ich aber manche Teile vorgefertigt und geht es vor allem darum, diese dann zusammenzuschrauben, würde ich sagen, dass das mit relativ wenig Erfahrung möglich ist.
Mit dem Zusammenbauen allein ist es aber nicht getan. Das Windrad muss am Ende auch angeschlossen werden. Es produziert Strom, deshalb gehören verschiedene Komponenten dazu – je nachdem, ob der Strom eingespeist oder in Akkus gespeichert werden soll. Dafür braucht man schon etwas Erfahrung im Bereich der Elektrotechnik. Die kann man sich aber holen. Bei einem solchen Projekt geht es auch darum, von anderen zu lernen und daran zu wachsen.
Wir haben den Prototypen auf dem Walnusshof in ein paar Tagen aufgebaut. Wobei das Windrad zu diesem Zeitpunkt schon weitestgehend vormontiert war.
„Unser Windkit in Brandenburg senkt aktuell unseren Stromverbrauch um rund 100 Watt – ungefähr so viel, wie ein Kühlschrank verbraucht.“
Stephanie: Kann man den Aufbau mit einem Ikea-Regal vergleichen?
Max: Prinzipiell schon, nur mit deutlich mehr Schrauben.
Stephanie: Jetzt ist natürlich die Frage: Was bringt so ein Windrad eigentlich konkret? Ist das mehr als eine Spielerei?
Max: Das hängt sehr stark davon ab, wie viel Wind an dem Ort weht, an dem es steht. Unser Windkit in Brandenburg senkt aktuell unseren Stromverbrauch um rund 100 Watt – ungefähr so viel, wie ein Kühlschrank verbraucht.
Es ist aber keine Anlage, mit der man sich komplett selbst versorgen kann. In Kombination mit einer Solaranlage ergänzt sich das sehr gut.
Schritt 3: Mit dem Eigenbau selbstwirksam sein: Durch das Windkit nicht nur Strom sparen, sondern vor allem lernen, wie Windräder funktionieren
Stephanie: Wenn man nicht nur auf die Kostenersparnis schaut, sondern auf die Erfahrung dahinter: Warum würdest du anderen Menschen empfehlen, sich mit so einem Projekt zu beschäftigen?
Ma: Es erfüllt mich mit Stolz, daran mitgewirkt zu haben. Ein Windrad ist ein Gegenstand, der immer da ist. Es hat etwas sehr organisches und gleichzeitig etwas verbindendes zur Energie des Windes und zu dem, was wir jeden Tag nutzen – nämlich Strom. Das verleiht einem Selbstwirksamkeit, weil man merkt, dass man Dinge gestalten kann.
„Warum sollten wir uns nur mit Wirtschaft auskennen oder Fußball? Warum nicht auch mit Technik?“
Man lernt ganz grundsätzlich, wie Strom erzeugt wird und was ein Generator ist. Das Windrad-Kollektiv hat das Windrad so entwickelt, dass diese Zusammenhänge sehr verständlich werden. Es eröffnet am Ende viele Möglichkeiten, unsere moderne Welt mitzugestalten.
Technik bestimmt unser Leben auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Wenn man sich damit ein bisschen auskennt, kann man sehr viel machen und ist nicht so abhängig. Warum sollten wir uns nur mit Wirtschaft auskennen oder Fußball? Warum nicht auch mit Technik?